Chronik der Pfarrei Hörstein (zusammengestellt von Gisela Wieland) Nach Steiner ’Freigericht Wilmundsheim’ S. 97 „findet sich nach Urkunde Nr. 6 seit dem Jahre 1409 ein Beneficiat des Frühaltars (Magdalenenaltar), gestiftet von Peter Pauli, Pfarrer in Kleinkrotzenburg, in der 1363 erbauten Kapelle zu Hörstein“ Dies ist wohl der früheste Nachweis einer ersten Kirche oder Kapelle in unserem Ort. Die räumliche Nähe zur Benediktinerabtei Seligenstadt förderte sicher nicht nur den Weinanbau, sondern auch die Ausbreitung von kirchlichen Strukturen. Kahl und Hörstein waren über Jahrhunderte hinweg eine gemeinsame Pfarrei. Erst 1908 wurde die Pfarrei Kahl wieder eigenständig. 1450 wird von Steiner Pfarrer Johann Jodocus Kullmann für Kahl und Hörstein genannt. Das Turmuntergeschoss unserer Kirche wurde 1449 erbaut, 1454 ein Altar geweiht und 1471 die Weihe des frühen Magdalenaltars durch den Mainzer Weihbischof Siegfried vollzogen. Bereits 1473 gab es den Turm in seiner heutigen Gestalt. 1485 Anschaffung einer ersten Glocke, die heute noch läutet. In spätgotischen Minuskeln übersetzen wir den Text: „Im Jahre des Herrn 1485 wurde vollendet dieses Werk durch Martin Muller, Herrn Konrad Wildung, Pastor und Nicolaus Hun, Leutpriester dieses unseres Ortes“. Zwei Pfarrer, nämlich Konrad von Wildungen (bis 1492) und Konrad Wenck (bis 1502) besaßen die Pfarrpfründe Kahl und Hörstein, und sogenannte ‚Leutpriester’ nahmen die Seelsorge wahr. Ein weiterer Geistlicher, Johannes Geiß betreute in seiner Funktion als Frühmesser weitere Gemeinden im Umkreis, wie Wasserlos und Kälberau. Er verstarb 1503 und wurde in unsere Kirche beigesetzt. Dr. Christian Grebner schreibt „Von entscheidender Bedeutung war die Einverleibung der Pfarrei Kahl-Hörstein in das Stift Aschaffenburg in den Jahren 1502 und 1503“. Erst danach wurde Hörstein die Mutterpfarrei und sie war auch für Großwelzheim zuständig. Das Stift Aschaffenburg errichtete 1511 eine spätgotische Kirche, deren Chor heute noch Bestandteil unserer Kirche ist. Die Weihe des Hochaltares erfolgt 1512 durch den Mainzer Bischof Johann Monsteri an die Gottesmutter Maria, den hl. Martin, die hl. Märtyrer Laurentius, Barbara und Walburga. Von den frühen Altären ist uns nur noch die sehenswerte Renaissance-Holzplastik „Anna Selbdritt“ (um 1520) erhalten geblieben. Eine zweiteGlocke wurde 1514 angeschafft und sie ist ebenfalls noch Bestandteil des heutigen Vierergeläuts. Im Jahr 1517 wurde ein erstes Pfarrhaus erbaut. H. Hinkel benennt in seinem Buch die Hörsteiner Pfarrer des 16. Jahrhunderts mit 1507 bis 1533 Johann Forster, 1537 bis 1558 Johann Erlenbach, 1555 bis 1561 Johann Cunradt, 1561 bis 1565 Fulmundt, 1565 Franz Neutel, 1568 Georg Galliculus, 1568 bis 1573 Johann Wyckandt, 1573 bis 1575 Laurentius Groller, 1575 bis 1579 Johann Nußler, 1579 bis 1580 Johann Hecht und 1581 bis 1585 Johann Sturm. In diese Zeiten fällt auch der Bau der Wilgefortiskapelle deren Grundstein 1564 gelegt wurde.
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| © Pfarrei Hörstein |
| Wilgefortiskapelle |
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Unter Pfarrer Johann Etzel, der 1585 sein Amt antritt, brechen bewegte Zeiten an: Die Ringmauer und ihre sieben Tore sind 1597 vollendet. Das Gericht Hörstein unter Centgraf Zimprecht Amman und Gerichtsschreiber Paul Eyles verurteilte während der Freigerichter Hexenprozesse von 1601 – 1605, im Auftrag von Kurmainz und der Grafschaft Hanau 139 Personen, darunter 34 Frauen und 1 Mann aus Hörstein, als Hexen und Zauberer zum Feuertod. Pfarrer Etzel war Beichtvater und letzter Begleiter dieser armen Menschen. Im Jahr 1605 trat erstmals die Pest auf; damit fanden die Hexenprozesse ihr Ende. Als Begräbnisstätte für die Pesttoten gab Pfarrer Etzel den kleinen Pfarrgarten außerhalb der Ringmauer frei. Er selber hinterließ ein bemerkenswertes Testament und starb erblindet 1614. Als Hilfspriester waren ihm in den letzten Jahren Konrad Faber und Johann Konrad Eyles zugeordnet. Den Bildstock am neuen Pfarrheim stiftete er 1588 zu Ehren der Gottesmutter. Im Jahre 1613 übernahm Johann Hamberger, Dekan des damaligen Landkapitels Rodgau, bis zu seinem Tod im Januar 1619 die Pfarrei. Sein Grabstein in der Kirche ist uns erhalten. Während der Amtszeit von Pfarrer Andreas Straub, 1625 bis 1635, brach die große Pestepidemie aus. Innerhalb weniger Wochen raffte sie 400 Menschen dahin. Die Gemeinde stiftete den Pestvotivaltar von 1626 und gelobte jährlich eineProzession zu Ehren des hl. Bernhard von Clairvaux. Pfarrer Straub verstarb 1635 an den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Die Pfarrei blieb von 1635 bis 1641 unbesetzt. Von 1641 bis 1643 stellte die Abtei Seligenstadt den Kanoniker Nikolaus Bechtold zur Seelsorge frei. Der Nachfolger Johann Paul Stech flüchtete 1646 mit den Pfarrbüchern nach Seligenstadt und wurde auf dem Weg dahin ermordet, die Pfarrbücher wurden vernichtet. Nach den schlimmen Kriegsjahren kam Michael Lutz als Pfarrer von 1649 bis 1651. Nach Andreas Fuchs, der von 1651 bis 1660 die Pfarrstelle besaß, kam mit Petrus Blöchinger, ein allseits gebildeter Priester von 1661 bis 1667 nach Hörstein. Er ordnete noch vorhandene Schriftstücke, legte die Pfarrmatrikel neu an und fertigte Urkundenabschriften. Daneben nahm er auch das Amt des Dekans wahr. Sein Nachfolger in Hörstein von 1667 bis 1678 war Johann Knod. Er stiftete eine Pfarrbibliothek, von der Einzelstücke noch heute vorhanden sind. Danach folgte von 1678 bis 1686 Johann Justus Allertzheuser. Zwei schwarze Gedenktafeln im Chor der Kirche erinnern an seinen Nachfolger, JohannErnst Wernsmann, der es 30 Jahre in Hörstein aushielt, nämlich von 1686 bis 1716. Mit Johann Peter Stegmann kommt ein tatkräftiger Pfarrer nach Hörstein, der 1733 dieErhöhung und Neugestaltung des Kirchenschiffes (von 1511) vornimmt und den heutigen Magdalenenaltar anschaffen ließ. Er richtet zur Förderung geistlicher Berufe eine Familienstiftung ein und verstirbt am 23.7.1743 in Hörstein. Ihm folgt von 1743 bis 1748 Franz Anton Imhoff, der 1747 ein neues Pfarrhaus erbaut. Nach einem kurzen Gastspiel von Johann Schick als Pfarrer von 1748 bis 1749, begannen 24 lange Priesterjahre mit Karl IgnazArnold (1749 bis 1773), der auch gleichzeitig das Amt des Dekans wahrnahm. Auch sein Nachfolger Johann Georg Philipp Zeller, Pfarrer von 1774 bis 1809 hatte zeitweise das Amt des Dekans inne. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit 1774 erneuerte erden Hochaltar und schaffte die Kanzel an. Ebenso wurde 1804 die Wilgefortiskapelleerweitert, erhöht und neu ausgestattet. 35 Jahre waren es, als er 1809 Hörstein verließ. Für Hörstein, das 1816 bayerisch und 1821 der Diözese Würzburg zugeordnet wurde , gab es viele kirchliche und staatliche Rundschreiben und Verordnungen.Michael Ignaz Keller, Pfarrer von 1809 bis 1831, musste sich nun mit Lokalschule und Führung von Armenkassen beschäftigen. Er hinterließ uns eine große Anzahl handschriftlicher ‚Berichtenbücher’ aus Pfarrei und Schule. Anton Gehlert trat 1831 seine Nachfolge an. Es fielen Reparaturen an Pfarrhaus und Pfarrgebäuden an. Die Pfarrer dieser Zeit hatten landwirtschaftliche Güter und Weinberge zu bewirtschaften, sie hielten Knechte und Mägde und beschäftigten die Handwerker des Ortes. Pfarrer Gehlert verstarb 1867 und bedachte die Armen Hörsteins in seinem Testament. Seraphin Reuther folgte ihm noch im selben Jahr auf die Pfarrstelle und wirkte hier 40 Jahre. Unter seiner Initiative wurden 1892 die Sakristei angebaut und eine Schlimbach-Orgelangeschafft . Zum Geistlichen Rat ernannt, wurde er auch Ehrenbürger von Hörstein. Er litt im Alter sehr unter seiner Schwerhörigkeit und verstarb 1907 in der Pfarrei, als letzter Pfarrer der beiden Filialgemeinden Kahl und Großwelzheim. Mit Alois Klement kam ein junger Geistlicher, der in seiner kurzen Amtszeit in Hörstein von 1907 bis 1911 mit 236 Ortsbürgern den Johanniszweigverein gründete, dem bald der Baueines Schwesternhauses mit einer ‚Kinderbewahranstalt’ (heutiger Standort Pfarrheim St. Martin) folgte. Erlöserschwestern aus Würzburg betreuten die Kinder, errichteten eine Krankenstation und hielten Koch- und Nähkurse. Sie entfalteten bis 1994 eine segensreiche Tätigkeit. Neuer Pfarrer von Hörstein wurde 1912 Adam Krenz, der die Pfarrei über zwei Weltkriege hinweg bis 1951 betreute. Er erlebte den Aufstieg und den Fall des Nationalsozialismus und 1938 die Auflösung der jüdischen Gemeinde. Bereits 1921 gab es einen Entwurf für den Neubau einer Kirche, sowie auch Sammel- und Spendengelder. Die Inflation machte diese Pläne zunichte. So kam sein Nachfolger Johann Schulz 1951 bereits mit dem bischöflichen Auftrag nach Hörstein, die Kirche erweitern zu müssen. Die alte Zehntscheune und Schmiede, sowie das alte Kirchenschiff wurden unter Mithilfe der Bevölkerung abgetragen. Am 5. Dezember 1954 konnte Bischof Julius Döpfner die erweiterte Kirche unter Beibehaltung des alten Chores, weihen. Hier klicken: Pfarrer Johann Schulz legte auch großen Wert auf die Mitarbeit von Laien und gründete in den Jahren 1952 bis 1954 die KAB -Katholische Arbeitnehmerbewegung, die CAJ -Christliche Arbeiterjugend und den Musikverein Hörstein. Zur Erweiterung des Kindergartens in der Alzenauerstraße tätigte er einen Anbau an das dort bestehende Schwesternhaus. Unter seiner Initiative baute das St. Bruno-Werk Siedlungshäuser für Familien am Roten Rain. Einige Jahre nahm er auch noch das Amt des Dekans im Dekanat Alzenau wahr, bis der verdiente Seelsorger 1966 die Pfarrei verließ. Ihm folgte noch im selben Jahr Hermann Hertlein, der geleitet von der Aufbruchstimmung des II. Vatikanischen Konzils (1962 – 1965) die Pfarrei mit großem Elan übernahm. Er stand allen Gruppen und Vereinen sehr aufgeschlossen gegenüber und wirkte auch etliche Jahre als Jugendseelsorger im Dekanat Alzenau. Unter seiner Leitung wurde 1972 ein neuer Kindergarten in Bruchhausen eingeweiht und der alte Bau in der Alzenauer Straße als Pfarr- und Jugendhaus genutzt. 1981 konnte die Renovierung der Wilgefortiskapelle abgeschlossen und 1983 nach über zehnjähriger Renovierung das Pfarrhaus wieder bezogen werden. Leider wurde Pfarrer Hertlein zu Beginn der 80er Jahre schwer krank und als er mit 54 Jahren am 26. September 1983 verstarb, nahm die Gemeinde von einem beliebten Seelsorger Abschied. Nach fast einjährigen Vakanz trat Dr. Jobst Lehmann 1984 die Pfarrstelle an. In den sechs Jahren seiner Amtszeit ließ er die Pfarrkirche renovieren. 1990 verließ er Hörstein. Pfarrer Friedrich Kastl wurde im Dezember 1990 in sein Amt eingeführt. In seinen Händen lag ab 1991 auch die Leitung der Kuratie Wasserlos. Ihm zur Seite stand Pastoralreferent Walter Lang. Der Wunsch nach einer neuen Pfarr- und Begegnungsstätte lag der Pfarrei in Hörstein schon lange am Herzen. Er wurde unter seiner Leitung Wirklichkeit. Nach Entfernung der alten Gebäude in der Alzenauerstraße konnte dort 1996 das Pfarrzentrum St. Martin seiner Bestimmung übergeben werden. Aus gesundheitlichen Gründen ging er Ende des Jahres 2001 in den wohlverdienten Ruhestand. Am 5. Mai 2002 hat nun Pfarradministrator Leslaw Urban die beiden Kirchengemeinden Hörstein und Wasserlos übernommen. Wir wünschen ihm eine gute Hand und Gottes Segen für sein weiteres Wirken als Seelsorger in Hörstein. (Juni 2002) Quellen: Heimatbuch Hörstein (1975, Dr. Chr. Grebner), Alzenauer Stadtbuch (2001), H. Hinkel, ‚Pfarrer und Seelsorger im Aschaffenburger Raum von 1550 – 1650, J.W. Chr. Steiner (1820) ‚Topographie des Freigerichts’, W. Nimbler (HJB 2001) ‚Seraphin Reuther’ und Pfarrarchiv Hörstein
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